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Zitadellen Schänke

Am Juliusturm 64, Berlin

UND ULTIMO EIN HEIDENTRUNK Ein dreifach Hoch dem Zitadellengeist, der in der Spandaus geschichtsträchtigsten Gemäuern umherhuscht. Er hatte es schon lange satt, für sich allein herumzuspuken und hat mit Hilfe des Bezirksamtes wieder Leben um sich versammelt. Jetzt spukt dieser Geist behaglich in den Köpfen von Spandauern, Berlinern und Gästen von noch weiter her. Zum Beispiel in Form von Fragen: Hab‘ ich eigentlich schon den Tisch in der Zitadellenschänke bestellt? Oder: Vielleicht probier ich nächstes Mal den Zitadellenspieß „Quitzow?“ Und ähnliches mehr. Das alltägliche, lebendige, wärmende Gedanken, die der Zitadellengeist da herausfordert. Er selber ist inzwischen auch schon entstaubt, ohne dass man ihn auf modern getrimmt hätte. Die behutsamen Geisterbeschwörer heißen Gerd Ziegler und Werner Niklewski. Es sind die Pächter der Zitadellenschänke im historischen Gewölbe. Gerd Ziegler ist gelernter Kellner mit 10jähriger Auslandserfahrung in den besten Häusern. Als Beispiel soll hier seine Tätigkeit im Londoner „Covent Garden“ dienen. Dann ging er zum kaufmännischen Hotelfach über und traf später auf der Berliner Hotelfachschule seinen jetzigen Mitstreiter Werner Niklewski. Der hattte vorher Koch gelernt und ebenfalls im Ausland reichlich Erfahrungen gesammelt. Ihr erstes gemeinsames Restaurant hatten sie in Wedding, der Erfolg kam aber erst mit der Ausschreibung der Zitadellenschänke. Sie waren, wie sich gezeigt hat, genau die richtigen Leute für eine solche Aufgabe. Phantasie, Fachwissen und Mut zum Unüblichen. Das ist es, was dem was dem Zitadellengeist und denen, die ihn suchen, so gefällt. Denn ohne diese Ingredienzien ging es nicht, stellte sich ohne bald heraus, als sie es in der Zitadelle mit bürgerlicher Gastronomie versuchten. Das passte nicht in die Gewölbe. Doch aufs I-Tüpfel genau passt das, was jetzt darin geschieht. Jawohl, geschieht. Denn das Essen dort kommt nicht, es passiert. Man isst wie in alten Zeiten – mit leichten Rücksichten auf moderne Gewohnheiten und Geschmäcker. Erlebnis ist das Zauberwort. Schon das Essgeschirr kann man erleben. Es ist ursprünglich, rustikal, ungewöhnlich. Ein Erlebnis ist auch das Essen. Alte brandenburgische Gerichte, dem heutigen Gaumen angepasst, nach den Regeln der Nouvelle Cuisine zubereitet – frische regionale Zutaten, kurze Garzeiten, damit der Eigengeschmack erhalten bleibt. Einen wahren Ansturm werden sicher auch wieder die diesjährigen Sonderveranstaltungen haben – darunter Spießbratenessen, havelländische Fischertafel, das große Rittermahl mit historischer Ausgestaltung, Unterhaltung und Tabacs-Kollegium, wie auch die große fürstliche Tafel mit Barden-Musik. Da wird gefeiert und getafelt, dass der Juliusturm wackelt. Zumindest seine kleinen Ebenbilder, die man in Terracotta mit anderen Andenken erstehen kann.

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